Die EU hat MiCA als vollständig operatives, passportierbares Krypto-Lizenzierungssystem implementiert. Das Vereinigte Königreich hingegen baut ein schrittweises, von der FCA gesteuertes Rahmenwerk unter traditionellem Finanzdienstleistungsrecht auf. Für Krypto-Anbieter, Einzelhändler und Regulierungsbehörden ist das Verständnis dieser strukturellen Unterschiede für grenzüberschreitende Strategien, Lizenzierung und Risikomanagement unerlässlich.
Wichtige Erkenntnisse
- Das MiCA-Regime der EU ist vollständig anwendbar und führt eine harmonisierte CASP-Lizenz mit Passporting über die Mitgliedstaaten hinweg ein.
- Das Vereinigte Königreich hat keine MiCA; es betreibt ein AML-Registrierungssystem und baut gleichzeitig ein umfassenderes Autorisierungsrahmenwerk unter FSMA auf.
- Die MiCA-Autorisierung ist jetzt in der EU verpflichtend; die vollständige UK-Autorisierung für Kern-Krypto-Aktivitäten wird voraussichtlich ab 2027 gelten.
- Das UK-Rahmenwerk ist wahrscheinlich breiter gefasst (einschließlich Kreditvergabe und bestimmter DeFi-Vermittlung).
- MiCA umfasst dedizierte Regeln für die Tokenverteilung (ARTs/EMTs); das Vereinigte Königreich reguliert Stablecoins unter Zahlungs- und systemischen Rahmenwerken.
- Grenzüberschreitende Anbieter müssen separate Autorisierungsverfahren in der EU und im Vereinigten Königreich verfolgen.
- Marktmissbrauchs- und Verbraucherschutzregime unterscheiden sich in der Struktur, konvergieren aber in der Intensität.
1. Das EU-Rahmenwerk: MiCA als einheitliches Lizenzierungssystem
MiCA (Markets in Crypto-Assets Regulation) etabliert ein umfassendes regulatorisches Rahmenwerk in der gesamten EU.
Lizenzierungsweg (EU – MiCA)
Wer muss lizenziert werden?
Krypto-Asset-Dienstleister (CASPs), einschließlich:
- Börsen (Handelsplattformen)
- Verwahrstellen
- Makler
- Portfoliomanager
- Transferdienste
- Platzierungsdienste
Autorisierungsprozess:
- Antrag an die nationale zuständige Behörde (z. B. BaFin, AMF, Bank von Litauen).
- Bewertung von Governance, Kapital, AML-Systemen, IT-Resilienz.
- Nach Genehmigung → EU-Passporting-Rechte.
Kapitalanforderungen:
- Gestufte Eigenmittelanforderungen je nach Dienstleistungsart.
- Laufende aufsichtsrechtliche Überwachung.
Zeitplan:
- Übergangsregelungen sind in den Mitgliedstaaten ausgelaufen oder laufen aus.
- Bestandsschutzfenster (z. B. Litauen Ende 2025) wurden geschlossen.
- Bis 2026 wird vollständige MiCA-Compliance in der gesamten EU die Norm sein.
Berichterstattung & Verbraucherschutz (EU)
- Whitepaper-Anforderungen für die Tokenverteilung.
- Strenge Marketing-Offenlegungspflichten.
- Beschwerdeverfahren.
- Trennung von Kundenvermögen.
- Aufsichtsrechtliche Berichterstattung an nationale Behörden.
- ESG-Offenlegungspflichten für bestimmte Token.
Marktmissbrauch (EU)
MiCA führt ein Krypto-Marktmissbrauchsrahmenwerk ein:
- Verbot von Insiderhandel.
- Verbot der unrechtmäßigen Offenlegung von Insiderinformationen.
- Verbot von Marktmanipulation.
- Überwachungspflichten für Handelsplattformen.
Allerdings ist das EU-Krypto-MAR-Regime etwas leichter als das traditionelle Wertpapier-MAR.
2. Das UK-Rahmenwerk: AML-Registrierung heute, vollständige Autorisierung morgen
Das Vereinigte Königreich betreibt derzeit eine zweistufige Regulierungsstruktur:
Stufe 1: AML-Registrierung (Aktiv)
Krypto-Firmen müssen sich bei der Financial Conduct Authority (FCA) unter AML-Vorschriften registrieren, um legal zu operieren.
Dies ist keine vollständige Autorisierung, sondern Compliance mit:
- KYC-Verifizierung/AML-Kontrollen
- Meldung verdächtiger Aktivitäten
- Risikomanagement bei Finanzkriminalität
Die FCA hat einen hohen Prozentsatz von Antragstellern abgelehnt, was eine strenge Aufsichtskontrolle demonstriert.
Stufe 2: Vollständige FSMA-Autorisierung (Geplant, ~2027)
Die britische Regierung implementiert ein umfassenderes Regime unter dem Financial Services and Markets Act (FSMA).
Aktivitäten, die voraussichtlich eine Autorisierung erfordern:
- Betrieb von Handelsplattformen
- Handel mit Krypto-Assets
- Verwahrungsdienste
- Kredit- und Staking-Vermittlung
- Arrangement von Transaktionen
- Bestimmte zentralisierte DeFi-Modelle
Dies wird Krypto-Firmen in FCA-autorisierte Finanzdienstleistungsunternehmen transformieren.
Hauptunterschiede zwischen MiCA und dem UK-Modell
| Merkmal | EU (MiCA) | UK (FSMA-Regime) |
|---|
| Rechtliche Struktur | EU-Verordnung | Nationales Finanzdienstleistungsrecht |
| Passporting | Ja (EU-weit) | Kein EU-Passport; nur UK |
| Stablecoins | ART/EMT-Regime | Stablecoins als Zahlungsinstrumente behandelt; systemischer Fokus |
| Marktmissbrauch | Dediziertes Krypto-MAR | Wahrscheinlich näher am traditionellen Finanz-MAR |
| Umfang | CASPs + Emittenten | Potenziell breiter inkl. Kreditvergabe/Staking |
| Zeitplan | Aktiv | Vollständiges Regime bis ~2027 |
3. Strategische Auswirkungen für grenzüberschreitende Krypto-Anbieter
Anbieter, die in beiden Jurisdiktionen tätig sind, müssen sich vorbereiten auf:
- Doppelte Autorisierungsprozesse
- Separate aufsichtsrechtliche Kapitalanforderungen
- Unterschiedliche Berichtspflichten
- Divergierende Verbraucherschutzregime
- Keine Passport-Äquivalenz zwischen EU und UK
Das Vereinigte Königreich spiegelt MiCA bewusst nicht wider. Stattdessen integriert es Krypto in die traditionelle Finanzregulierungsarchitektur.
Dies könnte führen zu:
- Höheren Governance-Erwartungen im Vereinigten Königreich
- Detaillierterem Aufsichtsengagement
- Breiterem Durchsetzungsbereich
6. Regulatorische Konvergenz oder Wettbewerbsdivergenz?
Das EU-Modell priorisiert Harmonisierung und Passporting.
Das UK-Modell priorisiert Aufsichtskontrolle und Integration in die Mainstream-Finanzregulierung.
Während die Ziele ausgerichtet sind (Verbraucherschutz, Marktintegrität), unterscheidet sich die Umsetzung.
Es gibt derzeit kein regulatorisches Äquivalenzregime zwischen MiCA und dem UK-Rahmenwerk.
Grenzüberschreitende Krypto-Aktivitäten erfordern daher eine parallele Compliance-Architektur.
Fazit: Zwei Systeme, eine Compliance-Realität
Die EU bietet regulatorische Klarheit durch MiCA, aber mit strikter Filterung und Kapitalanforderungen.
Das Vereinigte Königreich bietet schrittweise Integration in die traditionelle Finanzregulierung, potenziell mit breiterer Aktivitätsabdeckung.
Krypto-Anbieter müssen nun als regulierte Finanzinstitutionen operieren – nicht als experimentelle Technologieplattformen.
Die Ära der leichten Krypto-Regulierung in Europa und im Vereinigten Königreich ist vorbei.
Wenn Sie Einblicke in MiCA-Lizenzierungsengpässe, FCA-Autorisierungsherausforderungen, Übergangsfehler oder regulatorische Migrationsstrategien haben, teilen Sie Informationen vertraulich über Whistle42.com. Ihre Informationen tragen zur Gewährleistung von Transparenz und Marktintegrität bei.
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